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Selbststeuerung

Hirnforscher sind sich durchaus uneinig darüber, inwiefern der Mensch die Fähigkeit zu einer bewussten Entscheidung besitzt oder inwiefern er das Resultat von mehr oder weniger unbewussten Impulsen ist. Daher stellt sich auch die Frage, woher unsere intuitiven Eingebungen stammen.

Info

Dies ist ein Beispiel-Modul aus der Coachingsitzung «Lebendige Intuition: Gefühl + Verstand» (geistige Ebene).

Wie siehst du dies?

Welche Aussage trifft am ehesten auf dich zu?

  • Meine Handlungen sind das Resultat von meist unbewussten Impulsen.
  • Meine Handlungen sind das Resultat von bewussten Entscheidungen. Ich habe jederzeit die Wahl, anders als bisher zu handeln.
  • Ich stimme beiden Aussagen nicht zu.
 

 

 

Die neurobiologische Heimat von Affekten und Impulsen

Quelle: Die nachfolgenden Ausführungen sind inspiriert durch das Buch von Joachim Bauer «Selbststeuerung» (dieses Buch ist mit einem Abo auch als Summary in der e-Bibliothek vorhanden). Siehe Fusszeile für nähere Angaben.

Das Ziel der menschlichen Entwicklung sollte es meines Erachtens sein, die eigenen Freiheitsgrade zu erhöhen, die Selbstbe­stimmung zu stärken und die Abhängigkeiten von äusseren Dingen, von Reizen sowie von den Erwartungen anderer zu reduzieren. Es geht nicht um eine kurzfristige und oberflächliche Bedürfnisbefriedigung oder konsumatorisches Glück (welches ohnehin nicht lange anhält), sondern um eine lang­fristige und anhaltende innere Zufriedenheit, die «tiefe und sinnhafte Erfahrung zu machen, aufzu­brechen, einen eigenen Weg zu gehen und persönlich zu wachsen.»Seite 12f (Quelle siehe Fusszeile)

Gemäss Bauer liegt der tiefere Sinn in der Selbst­steuerung darin, nach seinem wahren Selbst zu leben. Ein Selbst entsteht erst mit einem gewissen Abstand zur eigenen Emotionalität und Umwelt, welche jeden von uns beeinflusst, «wenn wir innehalten und darüber nachdenken können, was wir wirklich wollen.»Seite 9

Folgen wir wahllos unseren Impulsen und Affekten ohne Plan und längerfristige Ziele, sind wir ohne innere Freiheit – wie ein Kleinkind – und ohne Selbststeuerung.

In unserer Kultur werden wir mit Reizen und Waren, Angeboten und Möglichkeiten regelrecht überflutet. Nicht selten gibt der Mensch seine Selbststeuerung an clevere Marketingstrategien, kurzfristige Genussversprechen oder an Computer, Smartphones und soziale Netzwerke ab. Das Ablenkungsprogramm von sich selbst ist immens. Und es benötigt eine bewusste Selbststeuerung, um all diesen äusseren Impulsen entgegenzuwirken - welche letztlich ein Ziel haben: Die Aktivierung des Triebsystems des Menschen.

 

 

«Die Fähigkeit, sich dem sinnlosen Konsum und ständigen Reizen zu verweigern, sich stattdessen bewusst zu beschränken, auch Verzicht ertragen zu können, kann zu einem Zugewinn von Freiheit und Selbststeuerungsfähigkeit führen, sie kann unsere Handlungsoptionen erweitern und uns größere, lohnenswertere Ziele erreichen lassen.»Seite 25 

 
 

Es gibt gemäss der Hirnforschung zwei Fundamental­systeme in unserem Gehirn: ein Trieb- oder Basissystem sowie ein Aufbausystem, den Präfontalen Cortex im Stirnhirn. Ersteres basiert auf mehrheitlich automatisch und spontan ablaufenden Verhaltens­mechanismen. Es beinhaltet Angstzentren, warnt vor Gefahren, initiiert Affekte und Launen aller Art, auch Bequemlichkeit, Unlust oder Ungeduld und egoistische Züge gehören hierhin. Die oben erwähnte kurzfristige Bedürfnisbefriedigung ist im Triebsystem angesiedelt: Ich sehe etwas und will es sogleich besitzen oder konsumieren.

«Das Basissystem ist durch genüssliche Angebote leicht verführbar, auf Frustration reagiert es mit Aggression. Es ist impulsiv und ungeduldig, verfällt aber, sobald es gesättigt ist, leicht in Bequemlichkeit und Apathie.»Seite 37

Der Präfontale Cortex hingegen ist das übergeordnete System, welches – gut entwickelt – das Basissystem kontrollieren kann. Er kann Informationen verarbeiten, gegeneinander abwägen, ermöglicht das Fokussieren und Konzentrieren auf eine Sache oder das Beachten mehrerer Aspekte gleichzeitig und kann innere und äussere Ablenkungen ausblenden. Wir können mithilfe des Präfonalen Cortex aber auch Vorstellungen von anderen Menschen entwickeln, uns in sie hinein fühlen und Beziehungen aufbauen, zudem planen und längerfristige Ziele verfolgen, uns eine Zukunft vor­stellen.

Die Selbststeuerung schliesst beide Fundamental­systeme mit ein. Es geht also weder um eine über­triebene Selbstkontrolle noch eine ungesteuerte Getrie­ben­heit von unseren Impulsen.

 

 

 

Nicht angeboren, aber entwickelbar

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Quelle: Bauer, Joachim (2015). Selbststeuerung (2te Auflage). Karl Blessing, München