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Du sitzt an deinem Laptop und weisst genau, was du für deine Sichtbarkeit tun müsstest. Und tust es trotzdem nicht?

Die gute Nachricht vorweg: Es liegt nicht an zu wenig Disiplin! Dein Unterbewusstsein funkt dir dazwischen.

Viel Lesevergnügen wünscht dir >> Maya, von der Mindset-Energy-Academy

Lina sitzt morgens vor dem Spiegel und sagt ihre Affirmationen auf. «Ich zeige mich genau so, wie ich bin. Ich bin authentisch.» Zwei Klebezettel – einer am Spiegel, einer am Laptop. Jeden Tag. Seit Monaten.

Dann klappt sie den Laptop auf, um endlich das erste Reel aufzunehmen – und ihr ganzes System macht zu.

Lina ist fast 50 und träumt seit langem davon, als Coach zu arbeiten. Im Vier-Augen-Gespräch verkauft sie sich mühelos; in zwei Jahren hat sie so ein paar Kund:innen gewonnen. Schön – aber viel zu wenig, um davon zu leben. Sie weiss das. Sie weiss auch: Heute führt kein Weg an Sichtbarkeit vorbei. Zeigen, posten, sich eine Community aufbauen.

Nur: Sobald sie sich zeigen soll, geht in ihr eine Tür zu.

«Es gibt doch soooo viele tolle Coaches da draussen», denkt sie. «Es ist doch eigentlich schon über alles gesprochen worden. Was soll ich da Neues, Spannendes erfinden?» Und noch ein Satz, leiser: «Ich seh so viele, die sich da zum Affen machen – das will ich nicht. Das passt nicht zu mir.»

Vor einem halben Jahr hat sie sich ein teures Sichtbarkeits-Coaching geleistet. Fünf Monate lang. Ihr Coach hat gesagt, es liege am Mindset, und hat ihr Affirmationen mitgegeben – die mit dem Spiegel und dem Laptop. Lina hat sie brav jeden Tag aufgesagt.

Soweit die Theorie. Die Angst ist geblieben.

Warum ich dir von Lina erzähle?

Weil ihre Geschichte etwas zeigt, das die meisten an sich selbst völlig falsch deuten. Lina glaubt, ihr fehle Disziplin. Durchhaltevermögen. Das richtige Mindset. Sie sitzt vor ihrem zugeklappten System und denkt: «Stell dich nicht so an. Andere kriegen das doch auch hin.»

Genau da liegt der Denkfehler. Es liegt nicht an zu wenig Disziplin.

Es liegt daran, dass in Lina zwei Systeme sitzen, die ihre Lage völlig unterschiedlich bewerten – und gerade heftig uneins sind.

Die zwei Systeme, die in dir bewerten

Deine Psyche hat zwei Stellen, an denen sie eine Situation einschätzt.

Da ist zum einen dein Verstand – das bewusste System. Er fragt: Ist das sachlich richtig? Vernünftig? Logisch? Der Verstand denkt in Sprache. Er argumentiert, wägt ab, verhandelt – und braucht dafür Zeit. Er ist das langsamere Instrument.

Und da ist zum anderen dein emotionales Erfahrungsgedächtnis – dein Unterbewusstsein. Es fragt nicht, ob etwas vernünftig ist. Es fragt nur: Ist mir das angenehm oder unangenehm? Hab ich Lust drauf – oder nicht?

Und jetzt kommt der Punkt, an dem so viele hängenbleiben:

Dieses emotionale System ist nicht sprachfähig. Es kann nicht reden. Es diskutiert nicht mit dir, es liefert keine Argumente. Es meldet sich über den Körper – über sogenannte somatische Marker. Körpersignale. Die einen spüren sie im Bauch, andere in der Brust, im Nacken, im Hals. Und sie kennen nur zwei Antworten: hin-zu oder weg-davon. Ja oder nein.

Bei Lina ist diese Antwort glasklar. Wenn sie an ihre Ziele denkt – fünf Reels pro Woche, jeden zweiten Tag ein Post –, schnürt sich ihr die Kehle zu.

Das ist kein Zufall. Das ist ihr Unterbewusstsein, das laut und deutlich «Nein» sagt. Nur eben ohne Worte.

Ihr Verstand sagt: «Tu es. Es ist vernünftig, es ist nötig.» Ihr Körper sagt: «Auf keinen Fall.» Und solange diese beiden nicht synchron sind, gewinnt nicht der mit den besseren Argumenten. Es gewinnt der Körper.

 

Warum die Affirmationen das Ganze noch schlimmer gemacht haben

«Ich zeige mich genau so, wie ich bin» klingt wunderbar. Aber tief drin zweifelt Lina ja: «Mögen mich die Leute denn so, wie ich bin?» Sie ist perfektionistisch, schon ihre Eltern haben immer das Beste von ihr erwartet. Wenn sie sich diesen Satz also vorsagt, läuft er gegen ein altes, leises «Eigentlich nicht gut genug» – und befeuert genau die neuronale Bahn, die er eigentlich überschreiben sollte.

Eine Affirmation, die dein System dir nicht glaubt, verstärkt den Zweifel, statt ihn zu lösen. (Ja, deshalb funktionieren so viele Affirmationen nicht – aber das ist eine eigene Geschichte.)

Hör auf, mit dir zu schimpfen

Vielleicht erkennst du dich da wieder. Nicht unbedingt beim Thema Sichtbarkeit – vielleicht bei etwas ganz anderem, das du dir fest vorgenommen hast und trotzdem nicht tust. Kennst du das?

Dann halt einen Moment inne.

Denn dein Unterbewusstsein macht keinen Fehler. Es tut genau seinen Job: Es schützt dich vor dem, was es als gefährlich eingestuft hat. Seine Logik ist uralt und simpel – bekannt = sicher, neu = Gefahr. Sichtbarkeit ist neu. Also ruft das System «Gefahr!» und zieht dich weg. Dein System tut damit nichts Falsches, im Gegenteil: Es fährt ein Schutzprogramm, das seit Jahrtausenden läuft.

Nur weil sich etwas unbequem anfühlt, heisst das nicht, dass du nicht das Zeug dazu hast. Es heisst nur: dein Unterbewusstsein meldet «neu = unsicher» – und genau da beginnt Wachstum.

 

Was du daraus mitnehmen kannst

Die meisten glauben, eine Einsicht reiche. «Jetzt hab ich's verstanden, jetzt mach ich's einfach.» So funktioniert dein Gehirn aber nicht.

  • Einsicht allein verändert nichts. Etwas eingesehen zu haben ist nicht dasselbe, wie es zu können. Dein Gehirn muss ein neues Verhalten genauso neu lernen wie eine neue Sprache, eine neue Sportart, ein neues Musikstück.
  • Verändern heisst umbauen. Das Gehirn stärkt synaptische Verbindungen, um etwas Neues zu tun – und schwächt alte, um etwas zu lassen. Das passiert nicht über Nacht, sondern über Wiederholung.
  • Üben, üben, üben. Jede:r Sportler:in trainiert die kleinsten Bewegungen akribisch. Bei innerer Veränderung ist es exakt gleich. Täglich, in kleinen Schritten.
  • Frag nicht nur den Verstand, frag den Körper. «Ist das vernünftig?» ist nur die halbe Frage. «Fühlt sich das nach hin-zu oder weg-von an?» ist die andere. Deine somatischen Marker sind dein ehrlichster Kompass – sie verraten dir, was dein Unterbewusstsein wirklich von deinen Plänen hält.

Heisst auch: Sei geduldig mit dir. Psychische Fähigkeiten zu lernen braucht Zeit, Wiederholung und etwas Ausdauer – wie alles, was wirklich neu ist.

Und Linas Geschichte?

Die geht weiter. Denn ihre zugeschnürte Kehle ist erst der Anfang.

Spannend wird es bei der nächsten Frage: Warum genau dieses «Nein»? Warum baut Lina sich Ziele – fünf Reels die Woche! –, bei denen ihr Körper sofort dichtmacht? Vielleicht, weil diese Strategie gar nicht zu ihrer natürlichen Energie passt. Und ihr Unterbewusstsein deshalb auf die Bremse tritt.

Genau das schauen wir uns im Coaching-Atelier in Ruhe an. Wir nehmen Linas Fall im Detail auseinander – aus zwei Blickwinkeln gleichzeitig:

  • aus Sicht der Hirnforschung: wie du deine somatischen Marker liest und dein Unterbewusstsein ins Boot holst, statt gegen es anzukämpfen
  • aus Sicht des Human Designs: warum eine Sichtbarkeitsstrategie, die gegen dein Design läuft, fast zwangsläufig blockiert – und wie deine ginge

Wenn du in Linas Geschichte etwas von dir wiedererkannt hast, bist du hier genau richtig.

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